Seit 10 Jahren fotografiere ich Käfige, in verschiedensten Varianten. 2017 habe ich erneut Menschen in ihren Wohnungen aufgesucht, die Ratten und auch andere Tiere wie Tauben, Schlangen oder Schildkröten halten. Mich interessiert, auf welche Art und Weise sich die Architektur der teilweise selbst gebauten Käfige und Behausungen in die Inneneinrichtung von Wohnzimmer, Schlafzimmer oder auch Küche einfügt. Einige der HalterInnen stellten mir Texte zur Verfügung, in denen sie erzählen, warum sie Tiere bei sich zu Hause aufnehmen und mit ihnen leben. Diese Texte sind unverändert hier veröffentlicht. Ich danke allen, die mir den Zutritt in ihre Wohnungen ermöglicht und mit erlaubt haben, dort zu fotografieren.

 

CHRISTIN

 

 

 

 

Ich habe 2008 mit 2 ratten angefangen, Yuri und Suki, ich habe sie Geschenkt bekommen mit einen kleinen Käfig… zum Anfang wusste ich nichts über die Tiere aber ich lernte schnell dazu und habe noch im gleichen Jahr noch einen großen Käfig gebaut (der heute noch steht) und noch 2 ratten dazu geholt(Nami und Yumi) und am 24.12.09 starb Yuri beim schmusen in meinem Arm, sie hatte einen Schlaganfall 😢.

Ich holte mir dann wieder 2 und kurz darauf lernte ich karina kennen, eine Züchterin mit viel liebe… sie hat mir viel beigebracht und mich lange begleitet und sie arbeitet bei meiner Tierärztin und dann kam die erste notdame zu mir durch karina… eine sehr kleine ausgesetzte Dame die kugelrund war und am nächsten Tag waren ihre Babys da aber es war traurig, viele starben weil die kleine viel zu klein und dünn war 😢 4 kleine überlebten und wurde groß und stark 😊. Die Mama Candy und ihre 2 Töchter blieben bei mir und die beiden Jungs hatte ich in gute Hände vermittelt und dann fragten mich die ersten Freunde ob ich auf ihre kleinen aufpassen kann 😅 Dann kamen Käfige in der Küche und erst alles provisorisch aber artgerecht, ich habe mich von Jahr zu Jahr verbessert… Neben der Urlaubsbetreuung habe ich immer notis geholfen, von ausgesetzte, schlechte oder halterschafftsauslösung (aus verschiedensten Gründen). Oft waren arme Seelen dabei und ich habe sie aufgebaut und dann habe ich zu den richtigen Leuten wo die Tiere zu den Menschen passen… manche blieben auch bei mir… Auch mal Tiere von meiner Tierärztin die ihr vor der Tür gestellt wurden. Hier bei mir habe ich mehr meine Wohnung umgebaut um es für alle gemütlich zu machen und den Nasen ein schönes Zuhause zu bieten aber so das es für mich auch gemütlich ist 😊

Außerdem leben noch 2 Katzen in meiner Wohnung und sie haben gelernt das die Ratten zur Familie gehören und haben sie noch nie ein Haar gekrümmt 😁.  Im Jahr habe ca. 100 notfällchen und oft vermittel ich sie durch Mundpropaganda oder Facebook und berate viel um zukünftige Notfälle zu vermeiden.

 


ASLI

 

 

 

 

 

 

 

Tieren in meinem Umfeld habe ich als Kind bereits große Achtsamkeit geschenkt. Heute weiß ich, viele Tiere eignen sich nicht für die Wohnungshaltung, da sie meist in zu kleinen Käfigen eingesperrt leben müssen.

Bei meinen ersten Ratten im Jahre 2003 habe ich geglaubt, ihnen mit dem vom Zoohandel empfohlenen Käfig ein artgerechtes Leben schenken zu können. Schnell sah ich ein, dass ich mich geirrt hatte. Ich war ein Teil der Tierhandel- Maschinerie geworden. Dem Fachhandel ging es nicht darum, artgerechte Bedingungen zu empfehlen, sondern lediglich Gewinn zu erwirtschaften. Mein eigener Fehler dabei war, dass ich es versäumt hatte, zuvor in ein nahe gelegenes Tierheim zu gehen und mich eingehend zu informieren und vielleicht auch nach Pflegestellen zu fragen.

Nun möchte ich den Irrtum von vor 14 Jahren ausräumen und setze mich seitdem für Aufklärung in der Heimtierhaltung ein. Ich biete eine erste Auffangstation für Abgabetiere. Dabei liegt der Fokus darauf, besonders in Not geratenen Tieren aus schlechten Haltungsbedingungen schnell eine erste provisorische Unterbringung zu bieten, um schließlich ein artgerechtes neues und dauerhaftes Heim zu finden. Dieser Einsatz erfordert Energie-, Geld- und Zeit. Das Abholen, die ärztliche Gesundheitsversorgung, das Pflegen und Päppeln und oft auch die erstmalige Gewöhnung an den Umgang mit Menschen in unseren privaten Wohnräumen ist mit der Hoffnung verbunden, aufgeschlossene Menschen zu finden, die bereit sind, Tieren aus einer Pflegestelle ein artgerechtes Heim zu bieten.

Der Aufwand, die Tiere bis zur Vermittlung zu beherbergen, erfordert von mir, meine Umgebung flexibel auf die Aufnahmesituation anzupassen. Mir sind geordnete Verhältnisse und Sauberkeit sehr wichtig. Dafür achte ich auf die Vereinbarkeit unserer Wohnungseinrichtung mit den übergangsweise gebotenen Quartieren. Damit wir unseren beruflichen Alltag, der nicht mit Tierschutz in Verbindung steht, und natürlich auch unsere sonstigen Interessen so weit möglich mit dem Einsatz für Tiere in Not möglichst einfach verbinden können, versuche ich die Optik der Aufnahmegehege in unsere Wohnungsarchitektur einzugliedern.

 


ANASTASIA

 

 

Es gibt viele Haustiere. Typische Haustiere, exotische Tiere, Tiere, die zu groß sind für eine kleine Großstadtwohnung, kleine Tiere, die in ein Handtäschchen passen, Tiere, die gut zum Beobachten und Entspannen sind und welche, die uns morgens um 4 wecken.

Für die Mehrheit von uns teilen sich Hund und Katze den ersten Platz unter den beliebtesten Haustieren. Dann gibt es noch kuschelige Nagetiere, Fische, es gibt Schildkröten und Bartagamen. Und es gibt Hausratten. Sie wären ja kuschelig und süß, wenn da nicht dieses lange, scheinbar haarlose Stück Ekel wäre, und dieses unterschwellige Gefühl der unhygienischen Gefahr. Manchmal versuche ich dieses Empfinden nachzuvollziehen, allerdings bislang ohne nennenswerten Erfolg. Darum erzähle ich einfach, was ich von Ratten halte, denn immerhin halte ich drei.

Schon als Kind empfand ich eine Sympathie zu Ratten, und stieß mit 12 Jahren das erste mal auf starke Antipathie im Familienkreis – damals machte mir mein Vater klar, dass ihm “keine Ratten ins Haus kämen”. Auch heute noch weigert er sich, mich in meiner Wohnung zu besuchen.

Wie geht es mir mit meinen drei Rattenmädchen (ich nenne sie tatsächlich gern Rättchenmädchen)? Sie sorgen für viele positive Emotionen. Früh am morgen vor der Arbeit, wenn der Tag noch grau und dunkel ist und man ungern das Haus verlassen will, erwische ich gerade noch ihre Wachphase und kriege viel von ihrer Lebenslust und Neugier mit, wenn sie an der Käfigtür ungeduldig auf mich warten und mit allen Mitteln signalisieren, dass sie doch so gern raus auf Erkundungstour gehen wollen. Genauso ist es wenn ich wiederkomme – abends kommen die Mädels wieder aus ihren gemütlichen Schlafhäuschen und Hängematten und werden dann zunehmend wach. Für einen Menschen mit einem Standard-Tagesjob ist es also perfekt. Ganz anders als bei einem Hund braucht man hier also kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man tagsüber viele Stunden nicht da ist. Dafür ist es umso wichtiger möglichst jeden Tag den Ratten einen Auslauf zu ermöglichen, und auch mit ihnen zu interagieren.

Je mehr Zeit ich mit meinen Ratten verbringe, umso zutraulicher werden sie. Man kann die Zeit natürlich auch dazu nutzen, den Ratten ein paar Tricks beizubringen, eine Leckerlie-Suchjagt für sie zu veranstalten oder einfach mit ihnen herumzualbern. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man bei keinem anderen Nagetier so viel zurück bekommt wie bei Ratten. Allerdings ist jede Ratte anders. Einige sind ruhig, schlafen in der Jackentasche und lassen sich lange streicheln. Andere, wie meine, können eigentlich nur beim Essen still sitzen und sind ansonsten aber immer überall und nirgendwo – ständig am Erkunden, Raufen, und ich wette, dass sie auch andauernd planen, wie sie die Weltherrschaft an sich reißen, oder zumindest aus ihrem Auslauf aufbrechen können.

Da mein Partner kreativ, motiviert, und nicht zuletzt handwerklich sehr begabt ist, haben wir einen eher ungewöhnlichen aber sehr praktischen Auslauf. Er besteht aus vielen Holz- und Plexiglasplatten, Scharnieren, und einer Drainagerohrverbindung. Diese ermöglicht den Ratten jederzeit in den Käfig zurück zu kehren, etwas zu Essen zu schnappen, die Toilette zu benutzen oder uns zu signalisieren, dass sie jetzt wieder zur Ruhe kommen wollen. Mit Plexiglas bekommt man auch tolle 3D Labyrinthe und Intelligenzspielzeug hin und kann seine eigenen kleinen Projekte perfekt umsetzen.

Ratten bekommt man heutzutage überall her. Auf eBay finden sich viele Hobbyzüchter, in jeder größeren Stadt findet man viele Ratten in Tierheimen, und auch private Notfallunterkünfte, wo Rattenliebhaber die Vermittlung selbst in die Hand nehmen. Bei Tierheimen und Notfall-Unterkünften finden sich oft bereits zahme Ratten jedes Alters, welche aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Besitzern bleiben konnten. Aus moralischer Sicht, ist die Aufnahme solcher Ratten sehr wünschenswert, und bringt viele Vorteile mit sich. Gerade in Notunterkünften wie bei Asli im Prenzlauer Berg, werden die Vermittlungsratten optimal auf ihr neues Zuhause vorbereitet. Solche Ratten sind handzahm, man hat die Möglichkeit die Ratten vorab kennen zu lernen und sie nach ihrem Charakter auszusuchen (was in Tierhandlungen niemals wirklich möglich ist). Nach der Aufnahme hat man immer einen Ansprechpartner für sämtliche Fragen, Arztbesuche, Urlaubsbetreuung und auch wenn irgendetwas mal schief gehen sollte, bleibt man damit nicht alleine. Ein Kauf beim Züchter hingegen erhöht die Nachfrage, fördert weitere Zucht und sorgt dafür, dass immer mehr Ratten auf den Markt gelangen. Leider passiert es immer wieder, dass Ratten wieder abgegeben werden. Wir als Tierhalter finden es schön, gerade solchen Tieren dann eine zweite Chance zu geben.

Wenn man sich für Rattenhaltung entscheidet, sollte es einem bewusst sein, dass diese Tiere, entgegen der Erwartung vieler, viel Zeit und Engagement erfordern. Leider ist die Lebenserwartung der Ratten mit 2-3 Jahren sehr kurz, sodass man sich insgesamt schnell wieder von seinem geliebten Tier trennen muss. Einzelhaltung ist bei Ratten nicht artgerecht, deshalb muss man bei der Anschaffung sich gleich um ein ganzes Rudel kümmern (mindestens 3 Tiere). Stirbt ein Tier, sollte man das Rudel wieder aufstocken. Man benötigt einen großen Käfig, bei dem man einige Besonderheiten beachten muss, spezielles Rattenfutter, täglich frisches Obst und Gemüse und frisches Wasser. Ein Rattenkäfig muss regelmäßig gesäubert werden, um unangenehme Geruchsentwicklung zu vermeiden. Ratten sind vor Krankheiten nicht sicher, deshalb muss man teilweise hohe Tierarztkosten einplanen.

Ist man dazu bereit, kann man sich sicher sein, dass die Ratten ein wertvoller und fester Bestandteil des Lebens werden und den Alltag mit sehr viel positiver Energie bereichern werden!

 


ULRIKE

 

 

 

Angefangen hat es mit Ratatouille sagen an dieser Stelle sicher sehr viele. Ich bin allerdings eher vom Hamster auf die Ratte gekommen. Nach 16 Jahren Hamster und einem Umzug nach Berlin stand ein Besuch des Berliner Tierheims an, einfach aus architektonischem Interesse, schließlich wurden hier schon Filme gedreht. Dort wartete der gute Fritz, eine äußerst kontaktfreudige Ratte, immer vorne direkt am Gitter, Freddie und Fozzie in seinem Team. Mit dem Gedanken gespielt hatte ich schon öfter, es scheiterte aber letztendlich immer an den hohen Erstausstattungskosten, wenn man für Hamster schon alles hat und zweitens an der Frage wohin mit ihnen im Urlaub? Mit vielen älteren und konservativen Menschen im Haus ist es schwierig jemanden zu finden, der sie umsorgen würde. Bei den meisten erntet man eher ein „aber die kommen bei mir nicht durch die Toilette in die Wohnung, oder?“. Bei vielen scheint das Gesicht auch gut anzukommen, wenn doch der Schwanz nicht wäre…

Ca. 500 Euro Erstausstattungsausgaben und einigen rekrutierten Urlaubsbetreuern später befanden sich Freddie und Fozzie auf dem Weg ins neue Heim. Fritz war herzkrank und hat es leider nicht geschafft in diesen Genuss zu kommen. Nach einer Weile kam der wildfarbene Pico mit Schlitz im Ohr aus dem Tierheim hinzu um das Team zu vervollständigen. Nach einigen trainierten Tricks und vielen Abenden, an denen sie zu dritt auf dem Sofa nebeneinanderlagen um gekrault zu werden stand fest, dass sie vielleicht doch ein wenig spannender sind als Hamster.

Mittlerweile habe ich das zweite Team mit Lolek und Bolek, die in Forst an der polnischen Grenze durch den Wald gestreift und vom Tierschutzligadorf Cottbus eingesammelt worden sind. Limbo kam ebenfalls dazu, ein völlig verstörter, alleine gehaltener Rattenmann, der erstmal viele Wochen benötigte um überhaupt für den Menschen sichtbar zu sein, da er sich schon in drei Metern Sichtweite sofort im Häuschen versteckte.

Jede Ratte aus Tierheimen oder Pflegestellen hat ihre eigene Geschichte und ich würde sie gerne einmal fragen oder mir erzählen lassen wie es ihnen damals so ergangen ist und welche Abenteuer sie schon erlebt haben. Vielleicht ist es aber auch besser, dass sie nicht sprechen können sondern nur ihre Dankbarkeit zeigen indem sie einem die Finger putzen und wenn sie frei herumlaufen können es dann doch lieber bevorzugen auf Herrchen oder Frauchen herumzuklettern.

Alle paar Wochen treffen sich in Berlin viele Rattenhalter um sich auszutauschen, ich habe über die Ratten sowohl tierische als auch einige menschliche Freunde gefunden. Nicht nur privat auch beruflich ändert sich durch die Tiere einiges: Im nächsten Jahr werde ich eigene Produkte für Nagetiere unter der Marke Rodents Residence auf den Markt bringen.

 


CHRIS

 

 

 

 

 

 


TRANG

 

 

 

 


 

MARTIN

 

 

 

 

 

 

 


 

SINJA

 

 


 

ANNIKA