Rattenhausen

Seit 10 Jahren fotografiere ich Käfige in unterschiedlichen Kontexten; in Zoos und in privaten Räumen: die Serie Territorien. Mir geht es ausschließlich um die Architektur der inszenierten Räume und ihre auf Natur verweisenden Requisiten. Aktuell widme ich mich den Käfigen für Ratten, von denen diese Bildserie handelt: Rattenhausen.

Wie werden tierische Lebensräume dort nachgebildet? Wie fügen sich die Käfige in die Einrichtung von Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche, wie grenzt sich Menschliches und Tierisches voneinander ab? Verzahnt es sich?
Menschen teilen Möbel mit Ratten – unterm Tisch ein Freigehege, unterm Sofa ein Versteck. Manche verzichten gar auf einen ganzen Raum innerhalb der Wohnung, damit die Ratten sich dort frei bewegen können. Käfige sind Erlebniswelten für die kleinen Freunde: Papprollen, Abflussrohre, Brotkörbe, Stoffreste, Büsche, Seile bieten ihnen ein fantasievolleres Heim, als es manche menschlichen Bewohner für sich selbst gestalten.

Rattenfreundin Gerda N. beschreibt das von ihr konzipierte Heim ihres kleinen Rattenfreundes, indem sie einen Perspektivwechsel vom Subjekt zum Objekt vollzieht: „Hier ist das Schlafhaus – der beste Aussichtsplatz der Welt. Man kann sich hier in noch eine Hängematte kuscheln und die Menschen beobachten!“

Einige der RattenhalterInnen haben mir auf meine Bitte hin Texte zur Verfügung gestellt, in denen sie begründen, warum sie mit Ratten leben. Diese Texte sind hier im unverändert veröffentlicht. Ich danke allen dafür, dass sie mir erlaubt haben, in ihren Wohnungen zu fotografieren.

 

CHRISTIN

 

 

 

 

Ich habe 2008 mit 2 ratten angefangen, Yuri und Suki, ich habe sie Geschenkt bekommen mit einen kleinen Käfig… zum Anfang wusste ich nichts über die Tiere aber ich lernte schnell dazu und habe noch im gleichen Jahr noch einen großen Käfig gebaut (der heute noch steht) und noch 2 ratten dazu geholt(Nami und Yumi) und am 24.12.09 starb Yuri beim schmusen in meinem Arm, sie hatte einen Schlaganfall 😢.

Ich holte mir dann wieder 2 und kurz darauf lernte ich karina kennen, eine Züchterin mit viel liebe… sie hat mir viel beigebracht und mich lange begleitet und sie arbeitet bei meiner Tierärztin und dann kam die erste notdame zu mir durch karina… eine sehr kleine ausgesetzte Dame die kugelrund war und am nächsten Tag waren ihre Babys da aber es war traurig, viele starben weil die kleine viel zu klein und dünn war 😢 4 kleine überlebten und wurde groß und stark 😊. Die Mama Candy und ihre 2 Töchter blieben bei mir und die beiden Jungs hatte ich in gute Hände vermittelt und dann fragten mich die ersten Freunde ob ich auf ihre kleinen aufpassen kann 😅 Dann kamen Käfige in der Küche und erst alles provisorisch aber artgerecht, ich habe mich von Jahr zu Jahr verbessert… Neben der Urlaubsbetreuung habe ich immer notis geholfen, von ausgesetzte, schlechte oder halterschafftsauslösung (aus verschiedensten Gründen). Oft waren arme Seelen dabei und ich habe sie aufgebaut und dann habe ich zu den richtigen Leuten wo die Tiere zu den Menschen passen… manche blieben auch bei mir… Auch mal Tiere von meiner Tierärztin die ihr vor der Tür gestellt wurden. Hier bei mir habe ich mehr meine Wohnung umgebaut um es für alle gemütlich zu machen und den Nasen ein schönes Zuhause zu bieten aber so das es für mich auch gemütlich ist 😊

Außerdem leben noch 2 Katzen in meiner Wohnung und sie haben gelernt das die Ratten zur Familie gehören und haben sie noch nie ein Haar gekrümmt 😁.  Im Jahr habe ca. 100 notfällchen und oft vermittel ich sie durch Mundpropaganda oder Facebook und berate viel um zukünftige Notfälle zu vermeiden.

 


ASLI

 

 

 

 

 

 

 

Tieren in meinem Umfeld habe ich als Kind bereits große Achtsamkeit geschenkt. Heute weiß ich, viele Tiere eignen sich nicht für die Wohnungshaltung, da sie meist in zu kleinen Käfigen eingesperrt leben müssen.

Bei meinen ersten Ratten im Jahre 2003 habe ich geglaubt, ihnen mit dem vom Zoohandel empfohlenen Käfig ein artgerechtes Leben schenken zu können. Schnell sah ich ein, dass ich mich geirrt hatte. Ich war ein Teil der Tierhandel- Maschinerie geworden. Dem Fachhandel ging es nicht darum, artgerechte Bedingungen zu empfehlen, sondern lediglich Gewinn zu erwirtschaften. Mein eigener Fehler dabei war, dass ich es versäumt hatte, zuvor in ein nahe gelegenes Tierheim zu gehen und mich eingehend zu informieren und vielleicht auch nach Pflegestellen zu fragen.

Nun möchte ich den Irrtum von vor 14 Jahren ausräumen und setze mich seitdem für Aufklärung in der Heimtierhaltung ein. Ich biete eine erste Auffangstation für Abgabetiere. Dabei liegt der Fokus darauf, besonders in Not geratenen Tieren aus schlechten Haltungsbedingungen schnell eine erste provisorische Unterbringung zu bieten, um schließlich ein artgerechtes neues und dauerhaftes Heim zu finden. Dieser Einsatz erfordert Energie-, Geld- und Zeit. Das Abholen, die ärztliche Gesundheitsversorgung, das Pflegen und Päppeln und oft auch die erstmalige Gewöhnung an den Umgang mit Menschen in unseren privaten Wohnräumen ist mit der Hoffnung verbunden, aufgeschlossene Menschen zu finden, die bereit sind, Tieren aus einer Pflegestelle ein artgerechtes Heim zu bieten.

Der Aufwand, die Tiere bis zur Vermittlung zu beherbergen, erfordert von mir, meine Umgebung flexibel auf die Aufnahmesituation anzupassen. Mir sind geordnete Verhältnisse und Sauberkeit sehr wichtig. Dafür achte ich auf die Vereinbarkeit unserer Wohnungseinrichtung mit den übergangsweise gebotenen Quartieren. Damit wir unseren beruflichen Alltag, der nicht mit Tierschutz in Verbindung steht, und natürlich auch unsere sonstigen Interessen so weit möglich mit dem Einsatz für Tiere in Not möglichst einfach verbinden können, versuche ich die Optik der Aufnahmegehege in unsere Wohnungsarchitektur einzugliedern.

 


ANASTASIA

 

 

Es gibt viele Haustiere. Typische Haustiere, exotische Tiere, Tiere, die zu groß sind für eine kleine Großstadtwohnung, kleine Tiere, die in ein Handtäschchen passen, Tiere, die gut zum Beobachten und Entspannen sind und welche, die uns morgens um 4 wecken.

Für die Mehrheit von uns teilen sich Hund und Katze den ersten Platz unter den beliebtesten Haustieren. Dann gibt es noch kuschelige Nagetiere, Fische, es gibt Schildkröten und Bartagamen. Und es gibt Hausratten. Sie wären ja kuschelig und süß, wenn da nicht dieses lange, scheinbar haarlose Stück Ekel wäre, und dieses unterschwellige Gefühl der unhygienischen Gefahr. Manchmal versuche ich dieses Empfinden nachzuvollziehen, allerdings bislang ohne nennenswerten Erfolg. Darum erzähle ich einfach, was ich von Ratten halte, denn immerhin halte ich drei.

Schon als Kind empfand ich eine Sympathie zu Ratten, und stieß mit 12 Jahren das erste mal auf starke Antipathie im Familienkreis – damals machte mir mein Vater klar, dass ihm “keine Ratten ins Haus kämen”. Auch heute noch weigert er sich, mich in meiner Wohnung zu besuchen.

Wie geht es mir mit meinen drei Rattenmädchen (ich nenne sie tatsächlich gern Rättchenmädchen). Sie sorgen für viele positive Emotionen. Früh am morgen vor der Arbeit, wenn der Tag noch grau und dunkel ist und man ungern das Haus verlassen will, erwische ich gerade noch ihre Wachphase und kriege viel von ihrer Lebenslust und Neugier mit, wenn sie an der Käfigtür ungeduldig auf mich warten und mit allen Mitteln signalisieren, dass sie doch so gern raus auf Erkundungstour gehen wollen. Genauso ist es wenn ich wiederkomme – abends kommen die Mädels wieder aus ihren gemütlichen Schlafhäuschen und Hängematten und werden dann zunehmend wach. Für einen Menschen mit einem Standard-Tagesjob ist es also perfekt. Ganz anders als bei einem Hund braucht man hier also kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man tagsüber viele Stunden nicht da ist. Dafür ist es umso wichtiger möglichst jeden Tag den Ratten einen Auslauf zu ermöglichen, und auch mit ihnen zu interagieren.

Je mehr Zeit ich mit meinen Ratten verbringe, umso zutraulicher werden sie. Man kann die Zeit natürlich auch dazu nutzen, den Ratten ein paar Tricks beizubringen, eine Leckerlie-Suchjagt für sie zu veranstalten oder einfach mit ihnen herumzualbern. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass man bei keinem anderen Nagetier so viel zurück bekommt wie bei Ratten. Allerdings ist jede Ratte anders. Einige sind ruhig, schlafen in der Jackentasche und lassen sich lange streicheln. Andere, wie meine, können eigentlich nur beim Essen still sitzen und sind ansonsten aber immer überall und nirgendwo – ständig am Erkunden, Raufen, und ich wette, dass sie auch andauernd planen, wie sie die Weltherrschaft an sich reißen, oder zumindest aus ihrem Auslauf aufbrechen können.

Da mein Partner kreativ, motiviert, und nicht zuletzt handwerklich sehr begabt ist, haben wir einen eher ungewöhnlichen aber sehr praktischen Auslauf. Er besteht aus vielen Holz- und Plexiglasplatten, Scharnieren, und einer Drainagerohrverbindung. Diese ermöglicht den Ratten jederzeit in den Käfig zurück zu kehren, etwas zu Essen zu schnappen, die Toilette zu benutzen oder uns zu signalisieren, dass sie jetzt wieder zur Ruhe kommen wollen. Mit Plexiglas bekommt man auch tolle 3D Labyrinthe und Intelligenzspielzeug hin und kann seine eigenen kleinen Projekte perfekt umsetzen.

Ratten bekommt man heutzutage überall her. Auf eBay finden sich viele Hobbyzüchter, in jeder größeren Stadt findet man viele Ratten in Tierheimen, und auch private Notfallunterkünfte, wo Rattenliebhaber die Vermittlung selbst in die Hand nehmen. Bei Tierheimen und Notfall-Unterkünften finden sich oft bereits zahme Ratten jedes Alters, welche aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr bei ihren Besitzern bleiben konnten. Aus moralischer Sicht, ist die Aufnahme solcher Ratten sehr wünschenswert, und bringt viele Vorteile mit sich. Gerade in Notunterkünften wie bei Asli im Prenzlauer Berg, werden die Vermittlungsratten optimal auf ihr neues Zuhause vorbereitet. Solche Ratten sind handzahm, man hat die Möglichkeit die Ratten vorab kennen zu lernen und sie nach ihrem Charakter auszusuchen (was in Tierhandlungen niemals wirklich möglich ist). Nach der Aufnahme hat man immer einen Ansprechpartner für sämtliche Fragen, Arztbesuche, Urlaubsbetreuung und auch wenn irgendetwas mal schief gehen sollte, bleibt man damit nicht alleine. Ein Kauf beim Züchter hingegen erhöht die Nachfrage, fördert weitere Zucht und sorgt dafür, dass immer mehr Ratten auf den Markt gelangen. Leider passiert es immer wieder, dass Ratten wieder abgegeben werden. Wir als Tierhalter finden es schön, gerade solchen Tieren dann eine zweite Chance zu geben.

Wenn man sich für Rattenhaltung entscheidet, sollte es einem bewusst sein, dass diese Tiere, entgegen der Erwartung vieler, viel Zeit und Engagement erfordern. Leider ist die Lebenserwartung der Ratten mit 2-3 Jahren sehr kurz, sodass man sich insgesamt schnell wieder von seinem geliebten Tier trennen muss. Einzelhaltung ist bei Ratten nicht artgerecht, deshalb muss man bei der Anschaffung sich gleich um ein ganzes Rudel kümmern (mindestens 3 Tiere). Stirbt ein Tier, sollte man das Rudel wieder aufstocken. Man benötigt einen großen Käfig, bei dem man einige Besonderheiten beachten muss, spezielles Rattenfutter, täglich frisches Obst und Gemüse und frisches Wasser. Ein Rattenkäfig muss regelmäßig gesäubert werden, um unangenehme Geruchsentwicklung zu vermeiden. Ratten sind vor Krankheiten nicht sicher, deshalb muss man teilweise hohe Tierarztkosten einplanen.

Ist man dazu bereit, kann man sich sicher sein, dass die Ratten ein wertvoller und fester Bestandteil des Lebens werden und den Alltag mit sehr viel positiver Energie bereichern werden!

 


ULRIKE

 

 

 

Angefangen hat es mit Ratatouille sagen an dieser Stelle sicher sehr viele. Ich bin allerdings eher vom Hamster auf die Ratte gekommen. Nach 16 Jahren Hamster und einem Umzug nach Berlin stand ein Besuch des Berliner Tierheims an, einfach aus architektonischem Interesse, schließlich wurden hier schon Filme gedreht. Dort wartete der gute Fritz, eine äußerst kontaktfreudige Ratte, immer vorne direkt am Gitter, Freddie und Fozzie in seinem Team. Mit dem Gedanken gespielt hatte ich schon öfter, es scheiterte aber letztendlich immer an den hohen Erstausstattungskosten, wenn man für Hamster schon alles hat und zweitens an der Frage wohin mit ihnen im Urlaub? Mit vielen älteren und konservativen Menschen im Haus ist es schwierig jemanden zu finden, der sie umsorgen würde. Bei den meisten erntet man eher ein „aber die kommen bei mir nicht durch die Toilette in die Wohnung, oder?“. Bei vielen scheint das Gesicht auch gut anzukommen, wenn doch der Schwanz nicht wäre…

Ca. 500 Euro Erstausstattungsausgaben und einigen rekrutierten Urlaubsbetreuern später befanden sich Freddie und Fozzie auf dem Weg ins neue Heim. Fritz war herzkrank und hat es leider nicht geschafft in diesen Genuss zu kommen. Nach einer Weile kam der wildfarbene Pico mit Schlitz im Ohr aus dem Tierheim hinzu um das Team zu vervollständigen. Nach einigen trainierten Tricks und vielen Abenden, an denen sie zu dritt auf dem Sofa nebeneinanderlagen um gekrault zu werden stand fest, dass sie vielleicht doch ein wenig spannender sind als Hamster.

Mittlerweile habe ich das zweite Team mit Lolek und Bolek, die in Forst an der polnischen Grenze durch den Wald gestreift und vom Tierschutzligadorf Cottbus eingesammelt worden sind. Limbo kam ebenfalls dazu, ein völlig verstörter, alleine gehaltener Rattenmann, der erstmal viele Wochen benötigte um überhaupt für den Menschen sichtbar zu sein, da er sich schon in drei Metern Sichtweite sofort im Häuschen versteckte.

Jede Ratte aus Tierheimen oder Pflegestellen hat ihre eigene Geschichte und ich würde sie gerne einmal fragen oder mir erzählen lassen wie es ihnen damals so ergangen ist und welche Abenteuer sie schon erlebt haben. Vielleicht ist es aber auch besser, dass sie nicht sprechen können sondern nur ihre Dankbarkeit zeigen indem sie einem die Finger putzen und wenn sie frei herumlaufen können es dann doch lieber bevorzugen auf Herrchen oder Frauchen herumzuklettern.

Alle paar Wochen treffen sich in Berlin viele Rattenhalter um sich auszutauschen, ich habe über die Ratten sowohl tierische als auch einige menschliche Freunde gefunden. Nicht nur privat auch beruflich ändert sich durch die Tiere einiges: Im nächsten Jahr werde ich eigene Produkte für Nagetiere unter der Marke Rodents Residence auf den Markt bringen.

 


CHRIS

 

 

 

 

 

Ratte verschwunden
Manchmal kann man im Tierheim an bestimmten Ratten nicht vorbeigehen, ohne sie mitzunehmen. Bär ist ein älterer agouti Rex, den ich nach der Kastration erst mal in Quarantäne im Gästezimmer gehalten habe. Auslauf hatte er im ganzen Zimmer, da ich sicher war, dass so ein älterer Herr schon nicht viel anstellen wird. So weit so gut.
Als er mal wieder Auslauf hatte, die Tür vom Zimmer war auf, jedoch eine Pappwand dazwischengeklemmt, klingelte es an der Tür. Es war die Apothekenlieferung für mich und sie passte nicht in den Briefkasten. Also ging ich ihr entgegen, damit sie nicht ganz in den 4. Stock laufen musste. Die Haustür blieb für diesen Moment auf. Kaum war ich oben, klingelte das Telefon und ich vergaß, die Haustür zu schließen. Nach Ende des Gesprächs schloss ich die Haustür und wollte mal schauen, wo Bär war. Optisch war er erstmal nicht zu finden. Ich bemerkte, dass er sich den Weg hinter die Kommode frei geräumt hatte und dachte, da komm mal selber wieder raus. Nach einer Stunde war immer noch nichts zu sehen und zu hören. Auch auf Lockrufe und Lekkerligerassel keine Reaktion. Sollte er zur Haustür raus sein? Aber die Pappwand war nicht umgekippt. Sicherheitshalber bin ich einmal vom 4. Stock in den Keller gegangen, aber keine Ratte. Was nun? Weiter warten oder Kommode wegschieben.
Dann hörte ich ein kurzes Geräusch, konnte es aber nicht lokalisieren. Also ran an den Spaß und die Kommode weg geschoben. Super, jede Menge Staubflusen, aber immer noch keine Ratte. So langsam machte sich Panik breit. Noch mal genau das ganze Zimmer abgesucht und nichts gefunden. Wo kann sich hier eine Ratte in Luft aufgelöst haben? Im Zimmer ist ein Vorhang, hinter dem allerlei Gerümpel gelagert wird. Unter anderem auch lange Pappröhren als Tunnel für die Ratten. Aber die standen alle hochkant und waren schwer, wie sollte er sie sich übergestülpt haben? Na ja, ein Blick kann nicht schaden und man glaubt es nicht, ganz unten drinne saß Bär und gab keinen Pieps von sich. Schnell die Röhre hoch und Bär ganz doll gekuschelt. Mann, war ich froh, dass er wieder da war. Aufs Schimpfen habe ich verzichtet.
Doch wie war er da rein gekommen? Neben dem Vorhang stand ein Tisch, und er wird irgendwie auf den geklettert sein und hat es dann geschafft, in seiner Neugier in die Röhre zufallen. Das zu dem Thema, was Ratten möglich unmöglich machen – mit Happyend.


Eine wahre Geschichte
Durch meine Rückenprobleme bin ich regelmäßig in Behandlung bei einer Krankengymnastin. Man kommt sich mit der Zeit näher und inzwischen duzen wir uns.
Zweimal hatte ich auch schon Ratten mit zur Therapie gebracht, weil ich direkt vom Tierarzt zu ihr gefahren bin, um es zeitlich zu schaffen. Vor einigen Wochen fragte sie mich, was man denn bei Ratten im Garten machen könnte. Sie hatten dort einen Kompostbehälter und festgestellt, dass dort mindestens zwei Ratten wären. Ich machte den Vorschlag einer Lebendfalle und das ich ihr eine leihen könnte. Doch das wollte sie nicht. Dann könnte sie sich nur erkundigen, mit Gift zu arbeiten. Allerdings machte ich sie darauf aufmerksam, dass dabei auch Nachbarstiere wie Katzen oder Hunde gefährdet wären und sie den Nachbarn dann Bescheid geben müsste. Damit war das Thema erstmal beendet.
Zwei Wochen später erzählte sie mir, dass ihr Mann sich doch für Gift entschieden hätte. Und?, fragte ich. Er musste noch am gleichen Tag in die Rettungsstelle des Unfallkrankenhauses. Ist er gebissen worden? Nein, er hatte die Giftköder mit bloßen Händen ausgelegt und dann in seinem Gesicht rumgewischt und wohl auch was eingeatmet. Im Krankenhaus hat man ihm dann sicherheitshalber ein Gegenmittel gegen die Blutungen gegeben, die es sonst bei den Ratten auslöst.
Na, ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen, aber sie lachte auch, als sie es mir erzählte. Und das Rattenproblem? Eine Ratte war tot und die andere war zu den Nachbarn weitergezogen. Den Kompostbehälter haben sie erstmal abgebaut. Ja, so kann es einem gehen, wenn man Ratten töten will. Ich halte auch immer viel davon, Gebrauchsanweisungen zu lesen.
Ich glaube so schnell wird ihr Mann keine Ratten mehr vergiften.

 


TRANG

 

 

 

 


 

MARTIN

 

 

 

 

 

 

 


 

SINJA

 

 


 

ANNIKA

 

Eine meiner größten Leidenschaften waren schon immer Tiere. Egal ob Haus- oder Wildtiere – es macht mich glücklich, sie zu beobachten und mit ihnen zu interagieren. Aus diesem Grund habe ich mich damals dazu entschieden, nach einer Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten, ein Biologiestudium anzutreten. Ein weiterer Grund war außerdem, dass ich leider feststellen musste, dass vielen Menschen ein natürlicher und artgerechter Umgang mit Tieren weitestgehend abhandengekommen ist. Wir sehen es als selbstverständlich an, Tiere in kleine Käfige zu sperren und sie für unsere Zwecke zu nutzen – egal ob es der Nahrungsproduktion oder einfach dem Verlangen nach Zuneigung dient. Die Bedürfnisse der Tiere werden unseren eigenen untergeordnet.

Vor diesem Hintergrund habe ich mich bereits in meiner Jugend dazu entschlossen, keine Tiere mehr in einer Zoohandlung oder ähnlichem zu kaufen. Wenn ich das Bedürfnis danach hatte, habe ich mich stets für Tiere entschieden, die ein artgerechteres Zuhause brauchten – und das bis heute. „Artgerecht“ ist allerdings ein sehr variabler Begriff. Für mich bedeutet er, dass ich so viel Freizeit und finanzielle Mittel aufwende wie möglich, damit sich die Tiere bei mir wohlfühlen – artgleiche Gesellschaft, viel Platz und Abwechslung. Um dem gerecht zu werden, habe ich mich vor kurzem dafür entschieden eine „Nagerburg“ vom Verein „Burg Nagezahn e.V.“ bauen zu lassen. Das  soll allerdings nicht bedeuten, dass meine Ratten nicht trotzdem bespaßt werden möchten sobald ich daheim bin 😉.

 


 

REBECCA UND FRANK